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3.2 Kompensation - Verhaltensstörungen Wie bereits ausgeführt wirken sich alle bisher erwähnten Phasen auf das Selbstwertgefühl des Schülers aus. Das tägliche Sprechen vor der Klasse führt zu einer permanenten Erniedrigung von Peter, nicht nur im Verhältnis zu seiner Umwelt, sondern auch zu sich selbst. Es bleibt dem Schüler keine andere Wahl, als von sich selbst ein negatives Bild zu bekommen. Aus diesem Grund ist es normal, daß er versucht, sich die mangelnde Anerkennung durch Kompensationshandlungen zu beschaffen. Nach Cartwright ist bekannt, "...daß von den möglichen Zielen dasjenige den größten Ersatzwert besitzt, das dem ursprünglichen angestrebten am ähnlichsten ist (S. 36)". Die Personen, die im sozialem Umfeld eines Schülers in der Regel am leichtesten zu erreichen sind, sind die Mitschüler. Dies kann insbesondere durch Taten geschehen, die die meisten Schüler zwar gerne durchführen würden, es aber aufgrund eines sozialem Tabus unterlassen, wie z.B. das Stören des Unterrichts oder Versuche den Lehrer in Rage zu bringen. Hierdurch verschafft sich Peter Anerkennung, wobei es nebensächlich für ihn ist, daß diese in der Regel nicht von Dauer sein wird. Auf der anderen Seite wird der Schüler allerdings auch das, was man in der Umgangssprache als Klassenkasper bezeichnet. Nun muß der Schüler wiederum mit Repressionen seines sozialen Umfeldes, insbesondere des Lehrers, rechnen, da der Schüler gegen die eben schon erwähnten sozialen Normen verstößt. Er wird von seiner Umwelt als Verhaltensgestört angesehen. Da der Schüler sich die mangelnde Anerkennung immer wieder erarbeiten muß, da sie wie erwähnt nicht von Dauer ist, handelt es sich bei diesem Zustand, um eine permanente Verhaltensstörung. Wobei zu beachten ist, daß diese ein Teil der Lernstörung ist und durch diese hervorgerufen wird. 3.3 Modell des zweiten Stadiums
3.3.1 Erklärung des Modells zum zweiten Stadium Im Verhältnis zum ersten Modell sind zwei Veränderungen aufgetreten. Einerseits erhalten die Blöcke S und U einen eigenen Kreislauf. Die beschriebene "Individuelle Reaktionsbildung zur Erklärung des Versagens" ist Voraussetzung der beiden Kreise, da z.B.. die Erklärung "ich bin unkonzentriert und nicht dumm" sowohl nötig für das Selbstwertgefühl des Schülers ist, ebenso wie es der Umwelt ein vorgefertigtes Bild des Schülers bestätigt (Kreis um U und Kreis um S). Die Blöcke U und S wirken nun gegenseitig auf sich durch die Kompensationshandlungen des Kindes (Verbindung S-U), die wiederum eine soziale Repression der Umwelt des Schülers hervorrufen (Verbindung U-S). Es ist wichtig festzuhalten, daß dieser Kreisprozeß auch erhalten bleibt, wenn die Ursache, in unserem Beispiel das Stottern, behoben werden sollte. Die Blöcke U und S erhalten sich von nun an gegenseitig am Leben.
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